Per S-Bahn zum Traumjob


Um eine Stelle als Busfahrer zu bekommen, hat Dinorel Anghel viele Hürden genommen. Unterstützung bekam der 54-Jährige über die regionale Kampagne „starke50 – Eine Initiative für Menschen mit Erfahrung“ – und von seinem Chef.

40 Kilometer liegen zwischen Mannheim und Germersheim. Eine weite Strecke für jemanden, der weder Geld noch Auto hat – für jemanden wie Dinorel Anghel. Aber um an eine Stelle als Busfahrer in Germersheim zu kommen, war dem Mannheimer buchstäblich kein Weg zu weit. „Busfahrer ist mein Traumberuf“, sagt der 54-Jährige. Und was eine Arbeitsstelle in seinem Alter – noch dazu im Traumberuf – wert ist, weiß er genau.

Der gebürtige Rumäne war unter anderem als Taxifahrer auf Provisionsbasis tätig, doch mit der Euroumstellung bricht sein Umsatz ein. Der Kurierdienst, den der Mannheimer daraufhin aufzieht, geht pleite. Anghel rutscht in die Arbeitslosigkeit. Über seinen Berater bei der JobBörse erfährt er vom Busunternehmen Pfadt in Germersheim, das einen Fahrer sucht. Und er ergreift seine Chance. „Herr Anghel hat mir sehr ehrlich seine Situation geschildert und glaubhaft Interesse bekundet, dass er hier arbeiten will. Es hat einfach alles ins Bild gepasst“, erinnert sich Geschäftsführer Rainer Pfadt. Beeindruckt ist der Busunternehmer nicht zuletzt davon, dass der Bewerber aus Mannheim, der kein eigenes Auto besitzt, dreimal bei ihm in Germersheim vorstellig wird – angereist per S-Bahn. „Dem ist nichts zu viel“, ist der Eindruck, den Rainer Pfadt schnell gewinnt. Doch die mangelnde Mobilität des Mannheimers wird zum Problem: Die erste S-Bahn aus Richtung Mannheim erreicht Germersheim um 6.12 Uhr.

Dienstbeginn für die Busfahrer ist aber spätestens um 6 Uhr. Ein Auto muss her, doch von welchem Geld soll Anghel den Wagen kaufen? Der Busfahrer wendet sich an seinen Berater bei der JobBörse Schwetzingerstadt. Auch sein Chef schaltet sich ein um den neuen Mitarbeiter zu halten. Schließlich findet sich eine Lösung: Das Jobcenter Mannheim organisiert ein Darlehen, über das Dinorel Anghel einen Gebrauchtwagen finanzieren kann.

Übergangsmodelle wie eine befristete Anstellung wären nach der Probezeit möglich. Auch einen Eingliederungszuschuss würde das Job-Center Mannheim Rainer Pfadt zahlen. Doch der will davon nichts wissen. „Wir brauchen jetzt eine richtige Lösung“, erklärt er dem Mitarbeiter der JobBörse, der die entsprechenden Hebel in Bewegung setzt – und die Lösung findet sich: Seit Mitte Juni 2009 tritt Dinorel Anghel fünfmal die Woche frühmorgens seinen Dienst in Germersheim an – als festangestellter Mitarbeiter der Firma Pfadt-Busreisen.

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