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Maria Steinmüller hat wieder eine Anstellung gefunden. Ihr Arbeitgeber und seine Kunden profitieren jetzt von der 35-jährigen Berufserfahrung der Buchhalterin.

Eine Frau über 50, im Jahr 2006 von Russland nach Deutschland eingewandert – die Vorzeichen sind nicht die günstigsten, als sich Maria Steinmüller aus Nowosibirsk in ihrer neuen Heimat Mannheim auf die Suche nach Arbeit macht. Nun hat die 58-Jährige eine Anstellung gefunden – und ihr Chef eine Buchhalterin, auf die er nicht mehr verzichten will.

„Ich habe viel Erfahrung mitgebracht, schließlich habe ich in Russland schon 35 Jahre gearbeitet“, sagt Maria Steinmüller. Als sie sich in Deutschland auf Jobsuche begibt, ist sie sicher: So schwer kann es nicht sein. Schließlich hat sie als erfahrene Buchhalterin auch etwas zu bieten und weiß: „Die Buchhaltung funktioniert in Russland nicht viel anders als hier.“ Doch Bewerbungen auf Stellenanzeigen in Zeitung und Internet bleiben ohne Erfolg. „Es hat nicht geklappt – wahrscheinlich wegen meines Alters“, vermutet die 58-Jährige. Nach mehreren frustrierenden Monaten zieht Maria Steinmüller die Notbremse. Sie geht zur Jobbörse Schwetzingerstadt, um sich dort beraten zu lassen.

Ebenfalls frustriert, wenn auch aus anderen Gründen, ist zur gleichen Zeit Michael Scheutle. Der Unternehmensberater aus Mannheim hat eine Buchhalter-Stelle auf Minijob-Basis ausgeschrieben. 50 potenzielle Kandidaten schreibt er an, ohne eine einzige Rückmeldung zu erhalten. In einem klärenden Gespräch mit dem zuständigen Sachbearbeiter erfährt Scheutle von „Perspektive 50plus“ – einem Programm, das ihm zusagt: „Ich brauche keinen Frischling, sondern jemanden, der weiß, was er tut.“ Nur einen Tag später meldet sich Maria Steinmüller bei ihm. Drei Tage Probearbeitszeit Anfang August werden vereinbart. Und am 13. August 2009 tritt die neue Buchhalterin ihren Job in der Unternehmensberatung Scheutle an. „Frau Steinmüller hat eine charakterliche Reife, die einfach fantastisch ist“, begeistert sich ihr Chef. „Ihr Alter spricht für sie.“ Und auch Maria Steinmüller sieht sich bestätigt: „Ich habe an mich geglaubt und daran, dass ich etwas kann.“ Dieses Selbstvertrauen hat sich ausgezahlt. Derzeit arbeitet die Buchhalterin 20 Stunden pro Woche. Eine Aufstockung zur Vollzeitstelle, ist eine Option, die sich beide Seiten gut vorstellen können.

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